Eine lustige Anekdote über den Spott


In der Wiener Kärtnerstraße übte der Bäckermeister Melchior Khlesel, der Vater des nachmaligen berühmten Kardinals und österreichischen Staatsmannes Khlesel, sein Gewerbe in einem Hause aus, das „zum blauen Esel“ beschildet war. Khlesel wurde daher im Volksmunde  nur der „Eselbäcker“ genannt. Gegen die unversiegbare Spottlust der Wiener ließ sich kaum etwas tun. Aber einmal hat Khlesel doch einen vorwitzigen Frager ordentlich heimgeleuchtet. Ein adliges Herrchen ließ ihn nämlich zu sich bescheiden und fragte ihn, ob er wirklich der Eselbäcker sei. „Verzeihet, Herr, ich höre etwas schwer,“ war seine Antwort. „Nun, so tretet näher zu mir,“ sagte der Junker und rief ihm, als Khlesel dicht neben ihm stand, laut in die Ohren: „Seid ihr der Eselbäcker?“ Der aber, nicht auf den Mund gefallen, antwortete schlagfertig: „Nein, ich bin der Bäcker neben dem Esel!“

Franz Wichtrei

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