Alltagsgeschichten


Der Großherzog Franz I. von Mecklenburg (1788-1837) ritt eines Tages ganz allein spazieren und bekam Lust zu rauchen. Er hatte seine gestopfte Pfeife immer bei sich; aber diesmal fehlte es ihm am Feuer.
Da begegnete ihm ein Bäuerlein, das behaglich schmauchend des Wegs kam. Der Großherzog ritt heran und fragte ihn: „Nun, Alter, kann Er mir wohl ein wenig Feuer geben?“ – „Ja, Herr,“ antwortete dieser, „das will ich wohl tun.“ Dann stand er still und holte bedächtig den Feuerstein aus der Hosentasche, den Zunder aus der Westentasche und den Stahl ganz hinten aus dem Schoße seines langen Rockes hervor.
Der Großherzog, der belustigt zuschaute, fragte nun: „Warum hat Er das nicht alles in einer Tasche, Alter? Das ist ja doch sehr unbequem.“ – „Ja, Herr,“ sagte der Alte und sah unendlich pfiffig dabei aus, „das könnte einen Feuerschaden geben.“
Dann, als das Bäuerlein dastand und Feuer pinkte, lockte es den Fürsten, sich zu erkennen zu geben. „Weiß er wohl, wer ich bin?,“ fragte er. „Nein,“ antwortete das Bäuerlein, ohne sich weiter stören zu lassen.
„Ich bin Sein Landesherr, der Großherzog,“ sagte nun der Fürst. Der Bauer verzog keine Miene und pinkte und pinkte, bis endlich der widerspenstige Zunder Feuer fing. Er blies den Funken zu einer tüchtigen Glut an und sagte dann, den glimmenden Zunder hinreichend: „Feuer aber sollen Sie doch haben.“

 











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